Experimente im Nebel

tropfenpinie

Foto: Jef Poskanzer

Der Nebel so nass und triefend wie er auch an dir hängt. Farblos und grau, nur eine einzig wabernde Masse. Er scheint auf dir zu lasten, ist sogar nervig beim Autofahren. Du siehst nicht wohin, musst langsam fahren, kommst womöglich zu spät. Selbst zu Fuß unterwegs kann er dich mit seinem feuchten Atem ärgern, die Frisur vernichten, Brillengläser sich voller feiner Wassertröpfchen setzen lassen, deine Sicht beschränken.

Doch der Nebel ist auch eine Chance. Die sichtbare Welt um dich herum wirkt ziemlich einfach, beengt. Kein warmer Sonnenstrahl, kein Wolkenzug, keine Aussicht in der Ferne, die dein Herz erfreut. Zeit, auf die Suche nach der Freude in dir zu gehen, die Augen zu öffnen, zu sehen, wie lustig und gleichmäßig sich die Wassertröpfchen auf Brillen, Autos oder Brückengeländern absetzen. Sich den Schal enger zu binden, um die Illusion des geistigen Auges von der wärmenden Sonne auf der Haut nicht zu zerstören.

Die kleinen Dinge um dich herum zu entdecken, den Baum,  die Blätter daran, das alte Gemäuer, die belebte Straße, all die Dinge an denen du jeden Tag vorbeigehst, die Menschen, die jeden Tag in Bus oder Bahn zum gleichen Ziel hetzen, dir mal genauer anzusehen, ihnen vielleicht sogar ein Lächeln zu schenken. Du wirst sehen, wie sich ein wohliges Gefühl in Dir ausbreitet. Zwar mag der Nebel dann immer noch nass und triefend an dir hängen, aber du fühlst dich leicht und voller Lebensfreude.

Nebel – tåke | Experimente – eksperimenter

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